Akku und Wechselrichter: wie lange reicht es wirklich
Eine fertige Powerstation trägt eine ehrliche Zahl auf dem Gehäuse: „1024 Wh“. Ein selbst zusammengestelltes System wird in Amperestunden verkauft — „100 Ah, 12 V“ — und der Käufer multipliziert das eine mit dem anderen. An der Steckdose kommt ungefähr die Hälfte an. Unten rechnen wir aus, wie viel genau und warum.
Ich habe schon einen Akku — wie lange reicht er?
Die umgekehrte Frage, und sie wird häufiger gestellt. Tragen Sie ein, was Sie haben.
Woher die Zahlen stammen
Aus drei Faktoren, von denen keiner auf dem Etikett des Akkus steht.
Entladetiefe. Ein Blei-Säure-Akku (AGM, Gel), der regelmäßig unter die Hälfte entladen wird, verliert sehr schnell an Lebensdauer — wir rechnen daher mit 50 % seiner Kapazität. Für LiFePO4 nehmen wir 80 % an: Entladen lässt sich die Batterie zwar bis hundert Prozent, ihre Zyklenzahl geben die Hersteller aber für achtzig Prozent Entladetiefe an. Beide Werte sind in der Branche übliche Bezugspunkte, keine Messung eines bestimmten Modells.
Wirkungsgrad des Wechselrichters. Ein guter Sinus-Wechselrichter erreicht im Optimum typischerweise 90–93 % — ein in Herstellerdatenblättern üblicher Bereich, unsere Einschätzung und kein Messwert; bei kleiner Last sinkt der Wert, dazu kommen Eigenverbrauch und Leitungsverluste. Der ADAC hat 2025 bei mobilen Powerstations im Schnitt gut 10 bis 15 Prozent weniger nutzbare als Bruttokapazität gemessen, dazu rund 30 W Eigenverbrauch bei eingeschaltetem Wechselrichter. Wir rechnen mit 85 % für die gesamte Kette.
Anlaufstrom. Der Kompressor eines Kühlschranks zieht beim Start ein Vielfaches seiner Betriebsleistung. Ein Wechselrichter, der das nicht aushält, startet den Kühlschrank kein einziges Mal — ganz gleich, wie groß der Akku ist. Die Faktoren übernehmen wir aus dem Leistungsrechner, wo ihre Quelle beschrieben ist.
Die Zahl, die Verkäufer nicht nennen
Der Strom, der aus dem Akku fließt. Bei 12 V bedeuten 2000 W Last — mit den Verlusten des Wechselrichters — knapp 200 Ampere. Bei solchen Strömen sind gewöhnliche Leitungen, Steckverbinder und Sicherungen am Ende — und mit ihnen der Sinn von zwölf Volt. Deshalb warnt der Rechner oben ab 100 A — eine eigene Schwelle, keine Normvorgabe; bei 12 V entspricht sie rund einem Kilowatt Last — und empfiehlt dann 24 oder 48 V: Bei gleicher Leistung ist der Strom halb beziehungsweise ein Viertel so groß.
Der Rechner zeigt diesen Strom direkt an und warnt, wenn er unvernünftig wird. Das ist die eine Stelle, an der Selbstbau nicht nur unwirtschaftlich, sondern gefährlich sein kann.
Und noch etwas gilt für jede Eigenbaulösung, die mehr als ein einzelnes Gerät versorgen soll: Ein Wechselrichter speist — wie ein Notstromaggregat — nie über eine Steckdose in die Hausinstallation ein. Der Anschluss an das Hausnetz erfolgt über eine Netzumschaltung, die eine Verbindung mit dem öffentlichen Netz ausschließt. Arbeiten an der Hausinstallation dürfen nach § 13 Abs. 2 NAV nur eingetragene Installationsunternehmen ausführen; die technischen Anforderungen an eine solche Ersatzstromeinspeisung beschreibt DIN VDE V 0100-551-2. Leitungsquerschnitte und Sicherungen auf der Gleichstromseite gehören ebenfalls in die Hand der Elektrofachkraft.
Was dieser Rechner nicht berechnet
Den Verbrauch rechnen wir bei Dauerbetrieb aller markierten Geräte. Ein Kühlschrank läuft in Wirklichkeit in Zyklen, die tatsächliche Laufzeit ist also länger als angezeigt. Zu niedrig anzusetzen wäre schlimmer: Wer zu wenig kauft, steht ohne Kühlschrank da; wer mit Reserve kauft, hat zu viel bezahlt.
Nicht berechnet werden Verluste bei Frost (die Kapazität sinkt), die Alterung der Zellen, der Eigenverbrauch eines Ladereglers und die Kosten der Installation. Leitungen und Absicherung legen wir nicht aus — das ist Sache der Elektrofachkraft und hängt von der Leitungslänge ab.
Häufige Fragen
Wie viel Energie liefert ein Akku mit 100 Ah und 12 V wirklich?
Nominell 1200 Wh, an der Steckdose kommt weniger an. LiFePO4 liefert bei 80 % Entladetiefe und 85 % Wirkungsgrad des Wechselrichters etwa 816 Wh; AGM bei 50 % Entladung etwa 510 Wh. Der Rest bleibt in der Batterie oder wird im Wechselrichter zu Wärme.
Startet ein Wechselrichter mit 300 W einen Kühlschrank?
In der Regel nicht. Der Kompressor zieht beim Start ein Vielfaches seiner Betriebsleistung — der Wechselrichterhersteller Samlex gibt für Kühlgeräte den Faktor fünf an. Ein Kühlschrank mit 180 W im Betrieb braucht im Anlaufmoment also eine Quelle mit etwa 900 W.
Welche Entladetiefe nehmen Sie für LiFePO4 und AGM an?
80 % für LiFePO4 und 50 % für Blei-Säure (AGM, Gel). Das sind in der Branche übliche Werte aus Herstellerdatenblättern, keine Messung eines bestimmten Exemplars — und so sind sie auf der Seite auch gekennzeichnet.
Warum rechnen Sie den Wechselrichter mit 20 % Leistungsreserve?
Ein Wechselrichter an der Leistungsgrenze wird heiß und schaltet in den Schutzmodus. Zwanzig Prozent Reserve über der Dauerleistung sind übliche Auslegungspraxis, keine Normvorgabe — deshalb sind sie als unsere Annahme gekennzeichnet.
Wie viele Stunden Kühlschrank schafft ein Akku mit 100 Ah?
Bei 180 W Dauerlast und LiFePO4: etwa 816 Wh ÷ 180 W ≈ 4,5 Stunden. In der Praxis länger, weil der Kompressor in Zyklen läuft und nicht ununterbrochen — der Rechner rechnet bewusst vorsichtig, damit niemand zu wenig kauft.
Darf ich den Wechselrichter an eine Steckdose im Haus anschließen?
Nein. Ein Wechselrichter speist wie ein Notstromaggregat nie über eine Steckdose in die Hausinstallation ein. Der Anschluss an das Hausnetz erfolgt über eine Netzumschaltung, die eine Verbindung zum öffentlichen Netz ausschließt — installiert von einem eingetragenen Installationsunternehmen (§ 13 Abs. 2 NAV) nach den VDE-Vorschriften für die Ersatzstromeinspeisung (DIN VDE V 0100-551-2). Einzelne Geräte schließen Sie direkt am Wechselrichter an.
Wie es weitergeht
Wie viel Leistung Sie überhaupt brauchen, berechnet der Leistungsrechner. Wie viel Wasser, Lebensmittel und Strom Ihr Haushalt für zehn Tage braucht — der Vorratsplaner. Alle Werkzeuge auf einer Seite: Rechner. Wie wir rechnen und woher die Zahlen stammen — in der Methodik.