Strom kaufen, wenn er billig ist: was das im Jahr wirklich bringt
Ein dynamischer Stromtarif gibt den Börsenpreis Stunde für Stunde weiter. Wer Wäsche, Auto, Wärmepumpe oder einen Speicher in die billigen Stunden legt, zahlt weniger. Dieser Rechner sagt Ihnen, wie viel — mit den tatsächlichen Börsenpreisen von September 2025 bis August 2026, mit den Umwandlungsverlusten des Speichers und mit seinem Eigenverbrauch.
Ihr Jahr in vier Zeilen
| Szenario | Kosten im Jahr | Unterschied |
|---|---|---|
| Fester Tarif | 1.439 € | — |
| Dynamischer Tarif, nichts verschoben | 1.239 € | 200 € |
| Dynamischer Tarif mit Lastverschiebung | 1.202 € | 237 € |
| … zusätzlich mit Speicher | 1.160 € | 279 € |
Zusammen rund 237 € im Jahr. Davon kommen 200 € allein daher, dass der Börsenpreis im Mittel unter Ihrem festen Arbeitspreis lag — dieser Teil verschwindet, sobald Sie einen günstigeren festen Tarif finden. Die restlichen 37 € sind das, was Sie selbst in der Hand haben: das Verschieben in die billigen Stunden. Die HTW Berlin misst dafür bei Haushalten ohne flexible Verbraucher im Median 17,60 Euro im Jahr.
Was der Speicher damit zu tun hat
| Gewinn aus dem Preisunterschied | 154 € |
|---|---|
| Umwandlungsverluste, zum vollen Preis bezahlt | − 70 € |
| Eigenverbrauch der Elektronik | − 42 € |
| Verschleiß (Preis geteilt durch Zyklen) | − 212 € |
| Netzentgelt-Rabatt nach § 14a | 0 € |
| Bleibt im Jahr | -170 € |
| Bis der Speicher sich bezahlt hat | 107 Jahre |
Gerechnet mit einem Zyklus am Tag: geladen in den 2 billigsten, entladen in den 8 teuersten Stunden. Ihr Verbrauch in den teuren Stunden ist kleiner als die Kapazität — der Speicher wird nicht leer und kann seinen Vorteil nicht ausspielen. Unter dem Strich kostet der Speicher mehr, als er an Preisunterschied einbringt.
Warum der Rechner Ihre Ersparnis kleiner macht als die Werbung
Erstens: vom Börsenpreis hängt nur ein Teil der Rechnung ab. Netzentgelt, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umlagen sind feste Cent je Kilowattstunde, und die Mehrwertsteuer kommt auf alles. Mit den Voreinstellungen dieser Seite sind das rund 19,9 ct/kWh, die auch dann anfallen, wenn die Börse bei null steht. Ein negativer Börsenpreis macht den Strom also billiger, nicht kostenlos.
Zweitens: die Verluste des Speichers kosten den vollen Preis. Wer eine Kilowattstunde einspeichert, zahlt für sie Netzentgelt, Steuer und Umlagen vollständig — zurück kommen bei einem Wirkungsgrad von 80 % nur 80 Prozent. Der Rest ist bezahlt und weg. Deshalb steht in der Tabelle oben eine eigene Zeile dafür.
Drittens: der Speicher verbraucht Strom, wenn er nichts tut. Die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin misst einen Eigenverbrauch zwischen 4 und 64 Watt. Bei 15 Watt sind das 131 Kilowattstunden im Jahr — mehr, als mancher Haushalt durch Verschieben überhaupt gewinnt.
Viertens: der Verschleiß. Ein Speicher hält eine begrenzte Zahl von Zyklen. Wer ihn für den Handel zwischen billigen und teuren Stunden täglich einmal durchlädt, verbraucht dieses Konto schneller als jemand, der ihn nur für die eigene Photovoltaik nutzt.
Wann der Strom billig ist — Monat für Monat
Diese Tabelle ist der eigentliche Grund für die Seite. Die verbreitete Regel „nachts laden“ stimmt im Winter und ist im Sommer falsch: sobald die Photovoltaik einspeist, liegt das billigste Fenster mittags.
| Monat | Mittel | 4 billigste Stunden | 4 teuerste Stunden | billiges Fenster | Stunden unter null |
|---|---|---|---|---|---|
| September 2025 | 8,4 ct | 3 ct | 15,7 ct | 12–16 Uhr | 60 |
| Oktober 2025 | 8,4 ct | 5,1 ct | 13,5 ct | 02–14 Uhr | 48 |
| November 2025 | 10,2 ct | 7,1 ct | 14,2 ct | 01–05 Uhr | 0 |
| Dezember 2025 | 9,3 ct | 6,8 ct | 12 ct | 01–05 Uhr | 0 |
| Januar 2026 | 11 ct | 8,4 ct | 14,6 ct | 02–06 Uhr | 2 |
| Februar 2026 | 9,7 ct | 7,2 ct | 12,4 ct | 03–14 Uhr | 7 |
| März 2026 | 9,9 ct | 3,3 ct | 16,4 ct | 11–15 Uhr | 33 |
| April 2026 | 7,9 ct | -0,9 ct | 14,3 ct | 12–16 Uhr | 123 |
| Mai 2026 | 9,8 ct | 1,3 ct | 16,5 ct | 12–16 Uhr | 77 |
| Juni 2026 | 11 ct | 3,5 ct | 20,7 ct | 12–16 Uhr | 49 |
| Juli 2026 | 10,5 ct | 2,3 ct | 17 ct | 12–16 Uhr | 79 |
| August 2026 | 12,7 ct | 3,9 ct | 19,5 ct | 12–16 Uhr | 54 |
Börsenpreise ohne Netzentgelt, Steuern und Umlagen; umgerechnet aus Euro je Megawattstunde. Der Unterschied zwischen den vier billigsten und den vier teuersten Stunden lag im Jahresmittel bei 11,3 ct/kWh. In 532 Stunden des Jahres war der Börsenpreis negativ. Datenquelle: Bundesnetzagentur | SMARD.de (CC BY 4.0), abgerufen am 05.09.2026.
Zum Vergleich: was unabhängige Stellen rechnen
| Was gerechnet wurde | Ergebnis | Quelle |
|---|---|---|
| Dynamischer Tarif ohne Speicher, 27 reale Haushaltsprofile | Median 17,60 € im Jahr (−10 bis 82 €) | Meissner, HTW Berlin, 2025 |
| Speicher 5 kWh ohne Photovoltaik | 69 € im Jahr (16 bis 136 €) | Meissner, HTW Berlin, 2025 |
| Speicher mit § 14a Modul 1 und Modul 3 | bis 233 € im Jahr | Meissner, HTW Berlin, 2025 |
| Reale Tarife 2024/2025, Teillast und Verschleiß | 7 bis 12 % des Reststroms, also 80 bis 250 € im Jahr | BNS / Jacoby, 19.04.2026 |
| Werbung der Anbieter | „Bis zu 550 €/Jahr“ (Tibber), „über 1.000 Euro“ (1Komma5°) | Anbieterseiten, 2026 |
Liegt Ihr Ergebnis weit über diesen Zahlen, prüfen Sie die Anteile, die Sie als verschiebbar angegeben haben — das ist die Stellschraube, an der sich Rechner am leichtesten selbst belügen.
Was Sie brauchen, bevor sich das rechnet
- Ein intelligentes Messsystem. Ohne das rechnen die Anbieter mit einem Monatsmittel ab, und einzelne billige Stunden zählen nicht. Seit dem 1. Januar 2025 kann jeder Haushalt den Einbau verlangen; die Kosten sind gedeckelt.
- Einen Tarif mit stündlicher oder viertelstündlicher Abrechnung. Anbieter mit mehr als 100.000 Kunden müssen seit 2025 einen dynamischen Tarif anbieten (§ 41a EnWG).
- Etwas, das sich verschieben lässt. In einer Wohnung ohne Wärmepumpe und ohne Auto sind das Waschmaschine und Spülmaschine — und damit bleibt die Ersparnis zweistellig.
- Eine Steuerung, die das automatisch macht. Von Hand jeden Abend die Preise zu lesen hält niemand ein Jahr durch. Wer einen Speicher hat, braucht ein Energiemanagement, das den Preis kennt.
- Die Anmeldung nach § 14a EnWG, wenn Sie einen Speicher haben. Sie bringt das reduzierte Netzentgelt und ist oft mehr wert als der Handel mit den Preisunterschieden selbst.
Anbieter dynamischer Tarife
Diese Liste ist keine Werbung: Wir haben mit keinem dieser Anbieter einen Partnervertrag und verdienen an diesen Links nichts. Die Angaben stammen von den Anbieterseiten und ändern sich; prüfen Sie sie dort. Eine Empfehlung ist damit nicht verbunden — wir haben keinen Tarif getestet.
- Tibber 5,99 € Grundgebühr im Monat, 2,15 ct/kWh Aufschlag Angaben von support.tibber.com, Stand 11.12.2025
- Rabot Energy 4,99 € Servicegebühr im Monat Angabe der Anbieterseite; laut Anbieter auch ohne Smart Meter nutzbar
- Ostrom Grundpreis je nach Netzgebiet Anbieterangabe; Preis hängt vom Netzbetreiber ab
- 1Komma5° Dynamic Pulse „100 % Börsenstrompreis – ohne Aufschlag“, Grundpreis nicht öffentlich beziffert Zitat der Anbieterseite, Stand 2026
Einbau und Anmeldung: wer das machen darf
- Der Anschluss ist Sache eines eingetragenen Betriebs. Nach § 13 Abs. 2 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Arbeiten hinter der Hausanschlusssicherung „außer durch den Netzbetreiber nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen“ ausgeführt werden. Das Verzeichnis führt Ihr Netzbetreiber und veröffentlicht es; danach suchen Sie, nicht nach Werbeanzeigen.
- Der Speicher gehört ins Marktstammdatenregister. § 5 der Marktstammdatenregisterverordnung verlangt die Registrierung innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme.
- Das reduzierte Netzentgelt beantragen Sie beim Netzbetreiber. Ohne die Anmeldung als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG gibt es weder Modul 1 noch Modul 3 — und dieser Teil ist in der Rechnung oben oft größer als der Handel mit den Preisunterschieden selbst.
Wir vermitteln keine Installateure, nehmen keine Anfragen entgegen und geben Ihre Daten an niemanden weiter — diese Seite hat kein Formular.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Stromspeicher ohne Photovoltaik, nur mit dynamischem Tarif?
Nach den Börsenpreisen der letzten zwölf Monate selten. Der Preisunterschied zwischen den vier billigsten und den vier teuersten Stunden eines Tages lag im Mittel bei 11 ct/kWh; davon bleiben nach Umwandlungsverlusten, Standby-Verbrauch und Verschleiß in den meisten Haushalten zwei- bis dreistellige Eurobeträge im Jahr übrig — nicht die Summen aus der Werbung. Die HTW Berlin rechnet für einen 5-kWh-Speicher ohne Photovoltaik mit 69 Euro im Jahr.
Wird der Strom im dynamischen Tarif billig, wenn die Börse negativ ist?
Nein, er wird nur billiger. Vom Börsenpreis hängt allein der Energieanteil ab; Netzentgelt, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umlagen bleiben, und auf alles kommt die Mehrwertsteuer. Bei minus 5 ct Börsenpreis und rund 15 ct festen Bestandteilen zahlen Sie immer noch etwa 12 ct je Kilowattstunde.
Wann ist der Strom im Jahresverlauf am billigsten?
Nicht nachts, sondern mittags — im Sommer. In den Monaten von März bis August lagen die vier billigsten Stunden des Tages in den Daten der Bundesnetzagentur zwischen 11 und 16 Uhr, weil dann die Photovoltaik einspeist. Erst im Spätherbst und Winter wandert das billige Fenster in die Nacht. Wer den Speicher ganzjährig nachts lädt, verschenkt den Sommer.
Brauche ich für einen dynamischen Tarif ein intelligentes Messsystem?
Für die viertelstündliche Abrechnung ja. Ohne intelligentes Messsystem rechnen Anbieter mit einem Monatsmittel ab — dann bringt das Verschieben einzelner Stunden nichts. Die Kosten des Messsystems sind gedeckelt; die Verbraucherzentrale nennt 40 Euro im Jahr für Haushalte bis 10.000 kWh. Der Rechner zieht diesen Betrag von der Ersparnis ab.
Was bringt § 14a EnWG für einen Speicher?
Wer den Speicher als steuerbare Verbrauchseinrichtung anmeldet, bekommt ein reduziertes Netzentgelt. Die Bundesnetzagentur nennt für Modul 1 eine jährliche Reduzierung von 80 Euro brutto zuzüglich einer Stabilitätsprämie des Netzbetreibers; in der Praxis werden 110 bis 190 Euro genannt. Dafür darf der Netzbetreiber die Leistung im Notfall auf 4,2 kW begrenzen.
Woher die Zahlen kommen
- Börsenpreise: Bundesnetzagentur | SMARD.de, Day-Ahead Deutschland/Luxemburg, Stundenwerte von September 2025 bis August 2026, abgerufen am 05.09.2026. Lizenz CC BY 4.0.
- Stromsteuer 2,05 ct/kWh: § 3 StromStG. Konzessionsabgabe: § 2 Abs. 2 KAV.
- Pflicht zum dynamischen Tarif: § 41a EnWG. Kosten des Messsystems: § 30 MsbG.
- Wirkungsgrade, Eigenverbrauch und Speicherökonomie: Stromspeicher-Inspektion der HTW Berlin (2025 und 2026) sowie die Masterarbeit von Meissner (HTW Berlin, 2025).
- Durchschnittspreis für Haushalte 2026 (37,0 ct/kWh): BDEW-Strompreisanalyse.
Eigene Annahmen sind im Rechner als solche benannt: die Tagesform des Verbrauchs, die verschiebbaren Anteile und die Verteilung über das Jahr. Wie wir insgesamt rechnen, steht in der Methodik. Zum Stromausfall selbst: Vorratsplaner, Akku und Wechselrichter und wie wahrscheinlich ein langer Ausfall ist.