Ohne Strom bleibt auch die Gastherme kalt: was ein Akku überbrückt, welche Notheizung ins Zimmer darf und warum der CO-Melder dazugehört
Eine Gastherme heizt ohne Strom nicht, und dasselbe gilt für Ölheizung und Wärmepumpe: Zündung, Regelung und Umwälzpumpe hängen am 230-Volt-Netz. Der Trost ist, dass eine Therme im Betrieb nur wenige Dutzend Watt zieht — nach unserer Schätzung 50 bis 150 W —, sodass ein Akku von rund 2 kWh sie etwa einen Tag lang weiterlaufen lässt, wenn der Anschluss dafür vorbereitet ist. Als Notheizung im Innenraum nennt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK, Stand 11/2025) ausschließlich Geräte, die für Innenräume zugelassen sind, und verlangt regelmäßiges Stoßlüften und einen Kohlenmonoxid-Melder.
Der Anlass liegt nicht weit zurück: Beim Stromausfall in Berlin-Lichterfelde im Januar 2026 waren rund 45 000 Haushalte bis zu vier Tage ohne Strom — bei Frost, also auch ohne Heizung und Warmwasser (Wikipedia; BAKS-Arbeitspapier, 2026). Wie selten das ist, rechnen wir an anderer Stelle nach.
Funktioniert die Gasheizung bei Stromausfall?
Nein. Eine moderne Gastherme braucht Strom für drei Dinge: die elektronische Zündung des Brenners, die Regelung mit Display und Sensoren und die Umwälzpumpe, die das warme Wasser durch die Heizkörper drückt. Fällt der Strom aus, geht die Anlage in Störung, auch wenn Gas anliegt (giga.de, abgerufen 09/2026; Sekundärquelle). Das BBK hält in seiner Vorsorge-Broschüre (Stand 11/2025) fest, dass mit dem Strom meist auch die Heizung ausfällt.
Für die anderen Systeme gilt dasselbe (eigene Einschätzung, technisches Grundwissen): Die Ölheizung steht ohne Brennergebläse, Ölpumpe und Regelung genauso. Die Wärmepumpe ist vollständig elektrisch; ihr Verdichter zieht ein Vielfaches dessen, was eine Therme braucht, eine Powerstation überbrückt sie nicht. Beim Pelletofen sind Förderschnecke und Gebläse in der Regel elektrisch. Ganz ohne Strom kommen nur Kaminofen, Kachelofen und Gasheizer mit Piezozündung aus.
Wie lange hält ein Akku die Gastherme am Laufen?
Länger, als die meisten erwarten, weil die Therme kein Großverbraucher ist. Für den Betrieb rechnen wir mit 50 bis 150 W — eine eigene Schätzung auf Basis von Herstellerangaben; das Verbraucherportal stromguide.com nennt unter Berufung auf die Stiftung Warentest 50 bis 100 W im Betrieb und 4 bis 10 W im Standby (abgerufen 09/2026; Sekundärquelle). Den genauen Wert liefert das Datenblatt der eigenen Therme oder ein Steckdosen-Messgerät; eine eigene Messung haben wir nicht.
Eine Beispielrechnung (eigene Rechnung): 80 W × 24 h = 1 920 Wh, also rund 1,9 kWh pro Tag. Ein Wechselrichter setzt davon nur einen Teil um; mit den 85 Prozent Wirkungsgrad, die auch unser Rechner ansetzt, werden daraus etwa 2,3 kWh Akkukapazität für einen Tag. Umgekehrt trägt eine Powerstation mit 1 kWh die Therme rund zehn Stunden, eine mit 2 kWh knapp einen Tag. Weil die Therme taktet, statt durchgehend zu laufen, ist die Rechnung bewusst konservativ. Ihre eigenen Zahlen setzen Sie im Rechner für Akku und Wechselrichter ein; was daneben laufen soll, etwa Kühlschrank oder Router, sortiert der Leistungsrechner für Notstrom.
Eine Einschränkung, die keine Rechnung auflöst: Eine Therme hängt meist fest an der Hausinstallation, nicht an einer Schuko-Steckdose. Den Umschalter, der den Heizungsstromkreis vom Netz trennt und auf den Akku legt, baut eine Elektrofachkraft nach DIN VDE V 0100-551-2 (2023) ein; nach § 13 Abs. 2 NAV darf das nur ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen tun. Warum das keine Formalie ist, erklärt der Text zum Notstromaggregat zu Hause: Strom, der zurück ins Netz fließt, gefährdet Monteure.
Wasserführende Kaminöfen sind ein Sonderfall: Ohne Pumpe kann der Wärmetauscher überhitzen; die thermische Ablaufsicherung prüft der Fachbetrieb (Forendiskussion auf haustechnikdialog.de; keine eigene Prüfung).
Welche Notheizung darf in der Wohnung benutzt werden?
Die BBK-Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Stand 11/2025) nennt drei Gerätetypen, die ohne Strom heizen und in Innenräumen verwendet werden können: Gasheizer, Petroleumöfen und Ethanolkamine — unter der Bedingung, dass das Gerät für Innenräume zugelassen ist, und mit der Auflage, regelmäßig stoßzulüften. In der Checkliste der Behörde steht eine netzunabhängige Heizgelegenheit samt Brennstoff neben Taschenlampe und Kurbelradio. Auf ihrer Seite zum Stromausfall ergänzt das BBK, dass Gasheizgeräte eine Sauerstoffmangel- und eine Zündsicherung haben sollten. Nur im Freien sieht die Behörde Campingkocher mit Gaskartusche sowie Gas- und Holzkohlegrills; Grillen in geschlossenen Räumen bedeutet Erstickungsgefahr.
Drei Folgerungen, die im Handel gern untergehen:
- Die Zulassung steht auf dem Gerät, nicht in der Produktbeschreibung. Ein Heizstrahler für Terrasse oder Zelt ist kein Innenraumgerät.
- Flüssiggas gehört nicht in den Keller. Propan ist schwerer als Luft; das BBK schreibt in seiner Broschüre „Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe“ (2019), dass Gas nicht in Kellern gelagert werden darf.
- Stoßlüften ist Teil der Zulassung. Jede Flamme verbraucht Sauerstoff; wird er knapp, entsteht bei der Verbrennung Kohlenmonoxid.
Wie gefährlich ist Kohlenmonoxid, und was bringt der CO-Melder?
Die Zahlen sind höher, als die meisten schätzen. Nach einer Auswertung der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes starben 2015 in Deutschland 648 Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung, 0,8 je 100 000 Einwohner; 2007 waren es 282. Stationär behandelt wurden 2016 rund 3 600 Fälle (Eichhorn, Thudium, Jüttner; Deutsches Ärzteblatt International, 2018). Der Deutsche Feuerwehrverband nennt für die vergangenen zehn Jahre im Schnitt knapp 3 500 Krankenhausbehandlungen jährlich, von denen jede sechste tödlich endete (DFV, 2024). Neuere amtliche Zahlen lagen uns nicht vor.
Kohlenmonoxid ist unsichtbar, geruch- und geschmacklos; typische Quellen sind glühende Holzkohle, die Motoren von Stromaggregaten und Heizpilze (DFV, 2022). Bei einem Stromausfall rücken sie alle auf einmal an die Wohnung heran: der Grill „nur kurz“ auf dem Balkon, das Aggregat im Keller, der Gasheizer bei geschlossenem Fenster. Die Feuerwehren fordern deshalb CO-Melder in Wohn- und Schlafräumen (DFV, 2024), das BBK rät in seiner Broschüre zu zertifizierten Geräten. Ein CO-Melder ist die einzige Vorrichtung, die warnt, bevor man selbst etwas bemerkt — nachts bemerkt niemand etwas. Er gehört in den Raum mit der Notheizung und dorthin, wo geschlafen wird (eigene Empfehlung; wie wir amtliche Angaben von eigenen Schätzungen trennen, steht in der Methodik).
Kaminofen bei Stromausfall: was ist zu beachten?
Ein Holzofen — nach DFV (2021) steht in jedem vierten Haushalt ein Kamin oder Ofen — ist die einzige Heizung, die ohne Netz, Akku und Zulassungsfrage auskommt. Drei Vorschriften gelten auch im Notfall; wir geben sie wieder, das ist keine Rechtsberatung.
- Holzfeuchte unter 25 Prozent. § 3 Abs. 3 der 1. BImSchV erlaubt Scheitholz nur mit einem Feuchtegehalt unter 25 Prozent, bezogen auf das Trockengewicht. Frisches Holz erreicht das erst nach längerer Lagerung (eigene Einschätzung): Der Wintervorrat muss vor dem Winter liegen.
- Alte Öfen: Fristen nach § 26. Für Öfen, die vor dem 22. März 2010 in Betrieb gingen, sind die Übergangsfristen nach § 26 der 1. BImSchV abgelaufen; die letzte Gruppe (Typschild 1995 bis 21.03.2010) endete am 31.12.2024. Die Frist trifft Öfen ohne Nachweis, dass sie die Grenzwerte von 0,15 g/m³ Staub und 4 g/m³ Kohlenmonoxid einhalten — mit einem solchen Nachweis dürfen sie weiterlaufen, ohne ihn mussten sie bis zum Stichtag nachgerüstet, ersetzt oder stillgelegt werden. Ausgenommen sind unter anderem Öfen, die die einzige Wärmequelle einer Wohneinheit sind (§ 26 1. BImSchV; Bundesumweltministerium, 2024).
- Kehrpflicht nach KÜO. Feuerstätten für feste Brennstoffe werden nach Anlage 1 der Kehr- und Überprüfungsordnung bei ganzjähriger Nutzung viermal im Jahr gekehrt, bei Nutzung in der Heizperiode dreimal, bei gelegentlicher Nutzung einmal; dazu kommt die Feuerstättenschau nach § 14 SchfHwG zweimal in sieben Jahren. Ein Ofen, der seit Jahren nur Dekoration ist, hat einen ungeprüften Schornstein.
Und eine Regel ohne Paragraphen (eigene Empfehlung): Wer bei glimmender Glut die Luftzufuhr oder die Drosselklappe im Rauchrohr schließt, um Wärme im Raum zu halten, hält auch das Kohlenmonoxid im Raum. Der CO-Melder gehört in das Zimmer mit dem Ofen.
Wie bleibt die Wohnung warm, wenn nichts davon geht?
Für Haushalte ohne Ofen, Akku und zugelassenen Gasheizer — also für die meisten — bleibt die Wärme, die schon da ist. Unsere Empfehlung, keine amtliche Vorgabe: Heizen Sie nicht die Wohnung, sondern einen Raum. Wählen Sie das kleinste Zimmer mit den wenigsten Außenwänden, schließen Sie die Tür, hängen Sie Decken vor die Fenster und ziehen Sie mit allen Personen dort ein. Wie schnell eine Wohnung auskühlt, hängt von Dämmung, Außentemperatur und Nachbarwohnungen ab; belastbare Messwerte haben wir nicht und nennen deshalb keine Stundenzahl.
Was das BBK in seiner Checkliste unter Licht und Wärme führt, ist unspektakulär: warme Kleidung, Decken, Schlafsäcke. Sie gehören zum Vorrat wie Wasser und Konserven — im Vorratsplaner sind sie Teil der Liste für die vom BBK empfohlenen zehn Tage. Ein Schlafsack für Minusgrade braucht weder Brennstoff noch Lüftung.
Häufige Fragen
Ist ein Teelichtofen eine Notheizung?
Nein. Ein Tontopf über Teelichtern ist kein für Innenräume zugelassenes Heizgerät und fällt aus der BBK-Liste heraus. Regionale Medien warnen vor Kerzen, die zusammenschmelzen und eine große Flamme bilden, vor dem heißen Ton und vor Kohlenmonoxid (Ruhr Nachrichten; Sekundärquelle).
Friert das Haus mit Wärmepumpe bei Stromausfall ein?
Nicht in den ersten Stunden. Die Wärmepumpe selbst läuft nur mit Aggregat oder großem Speicher weiter (eigene Einschätzung). Frostgefährdet sind zuerst ungedämmte Leitungen in kalten Räumen; ob sie bei mehrtägigem Frost entleert werden müssen, ist eine Frage für den Installateur.
Darf das Notstromaggregat für die Heizung im Keller laufen?
Nein. Nach dem BBK dürfen Stromerzeuger wegen der Abgase nicht in Innenräumen betrieben werden; geeignet ist ein gut belüfteter, trockener Platz im Freien (Broschüre zum Stromausfall, 2019). Zusätzlich Abstand zu Fenstern und Türen zu halten, ist unsere eigene Empfehlung. Die Abgase enthalten Kohlenmonoxid, ein Keller lüftet nicht. Wie ein Aggregat an die Heizung kommt, steht im Text zum Notstromaggregat.
Quellen
- BBK, Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Stand 11/2025, 2. Auflage) — Heizung ohne Strom, zugelassene Heizgeräte, Stoßlüften, CO-Melder, Checkliste Licht und Wärme.
- BBK, Stromausfall — Sauerstoffmangel- und Zündsicherung, Grillen in Innenräumen.
- BBK, Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe (Stand 01/2019) — Stromerzeuger nur im Freien, kein Gas im Keller.
- giga.de, Funktioniert die Gasheizung bei Stromausfall? — Zündung, Steuerung, Umwälzpumpe; Sekundärquelle.
- stromguide.com, Stromverbrauch Gastherme — 50–100 W im Betrieb, 4–10 W Standby; Sekundärquelle.
- Eichhorn L., Thudium M., Jüttner B., The Diagnosis and Treatment of Carbon Monoxide Poisoning, Deutsches Ärzteblatt International, 2018 — 648 Todesfälle 2015, 282 im Jahr 2007, 3 611 stationäre Fälle 2016.
- Deutscher Feuerwehrverband, Fachverbände fordern verstärkte Maßnahmen zur Prävention von Kohlenmonoxidvergiftungen (30.07.2024) — knapp 3 500 Behandlungen jährlich, jede sechste tödlich.
- Deutscher Feuerwehrverband, Rechtzeitige Warnung vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen bieten nur CO-Melder (06.05.2022) — Quellen von CO, Eigenschaften des Gases.
- Deutscher Feuerwehrverband, CO-Vergiftungsgefahr mit Langzeitschäden durch Kamine und Öfen (26.10.2021) — jeder vierte Haushalt mit Kamin oder Ofen.
- § 3 1. BImSchV — Feuchtegehalt unter 25 Prozent.
- § 26 1. BImSchV und Bundesumweltministerium, Übergangsregelungen der 1. BImSchV — Fristen für alte Öfen, Ausnahmen.
- Anlage 1 KÜO — Kehrhäufigkeit; § 14 SchfHwG — Feuerstättenschau.
- § 13 NAV — Arbeiten an der Hausinstallation nur durch eingetragene Betriebe; DKE, DIN VDE V 0100-551-2:2023-10 — Ersatzstromeinspeisung.
- haustechnikdialog.de, Wasserführender Kaminofen bei Stromausfall — Forendiskussion; Sekundärquelle.
- Ruhr Nachrichten, Teelichtofen: Heizen-Alternative mit Brandgefahr — Sekundärquelle.
- Wikipedia, Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz 2026; BAKS, Bedingt resilient (2026) — Berlin-Lichterfelde, Januar 2026.
Die Broschüren des BBK haben wir am 5. September 2026 gelesen und geben sie mit eigenen Worten wieder; ihr Wortlaut und ihre Grafiken sind nicht für die kommerzielle Nutzung freigegeben. Wattzahlen, Stunden und Kilowattstunden in diesem Text sind eigene Schätzungen und Rechnungen, keine Messungen.
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