Ein Notstromaggregat zu Hause scheitert selten am Gerät, sondern an vier Regeln: Steckdose, Aufstellort, Lärm und Kraftstoff
Nein, der Strom eines Notstromaggregats darf nicht über eine Steckdose in das Hausnetz eingespeist werden — nicht „nur kurz“ und nicht mit einem selbst gebauten Kabel mit zwei Steckern. Zulässig ist allein eine allpolige Netzumschaltung, die ein eingetragenes Elektroinstallationsunternehmen einbaut; das Gerät selbst läuft ausschließlich im Freien. Wer diese beiden Punkte geklärt hat, hat die tödlichen Fehler ausgeschlossen — Lärm und Kraftstoff sind danach Ordnungsrecht.
Vorweg: Dieser Text erklärt Vorschriften und nennt Quellen, er ist keine Rechtsberatung. Was für Ihr Haus konkret gilt, entscheidet sich beim Netzbetreiber, beim Elektrofachbetrieb und in der Bauordnung Ihres Bundeslandes.
Kann ich das Notstromaggregat einfach in eine Steckdose stecken?
Nein. Was in Foren als „Einspeisestecker“ kursiert, setzt die Kontakte des freien Steckers unter Spannung und speist — solange die Hauptsicherung nicht ausgeschaltet ist — Strom zurück in das öffentliche Netz. Dort arbeiten während eines Stromausfalls Monteure an Leitungen, die sie für spannungsfrei halten.
Die Regeln dazu sind eindeutig. Die VDN-Richtlinie „Notstromaggregate“ (5. Auflage, August 2004) verlangt: „Es ist eine einwandfreie Trennung zwischen der vom Notstromaggregat versorgten Installationsanlage und dem VNB-Netz sicherzustellen“, und weiter: „Möglichkeiten der Rückspeisung in das VNB-Netz … sind auszuschließen.“ Die Umschalteinrichtung muss danach „allpolig, d.h. 4polig“ sein, also auch den Neutralleiter trennen, und eine Zwischenstellung haben, in der weder Netz noch Aggregat anliegen. Für mobile (ortsveränderliche) Aggregate ohne geerdeten Sternpunkt heißt es dort: „An diese Aggregate sollten elektrische Verbrauchsgeräte nur direkt angeschlossen werden.“
Wer die Umschaltung einbauen darf, regelt § 13 Abs. 2 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV): Arbeiten hinter der Hausanschlusssicherung „dürfen außer durch den Netzbetreiber nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden“. Der Netzumschalter ist keine Heimwerkerarbeit, und dieser Text beschreibt bewusst nicht, wie man ihn verdrahtet.
Neu ist die Vornorm DIN VDE V 0100-551-2 (Ausgabe Oktober 2023). Nach Angaben der DKE enthält sie erstmals „Anforderungen zur Ersatzstromeinspeisung durch Laien“, darunter eine „laienbedienbare Einspeisung mit 5poliger Steckvorrichtung“. Nach Darstellung einer Fachschulung (mitegro eAcademy, Sekundärquelle) heißt das: allpolige Umschaltung mit geschaltetem Neutralleiter, fünfpoliger CEE-Anschluss, gebäudeseitig ein Gerätestecker statt einer Steckdose, dazu ein Fehlerstromschutzschalter. Der Laie steckt das Aggregat an eine vorbereitete Einspeisestelle — gebaut hat sie die Elektrofachkraft.
Aus demselben Grund schaltet der Wechselrichter eines Balkonkraftwerks bei Netzausfall ab — warum ein Balkonkraftwerk bei Stromausfall keinen Strom liefert, erklären wir gesondert.
Darf das Aggregat im Keller, in der Garage oder auf dem Balkon laufen?
Nein — nicht im Keller, nicht in der Garage bei offenem Tor, nicht im Hausflur. Das BBK stellt in seiner Broschüre „Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe“ (Stand Januar 2019) klar, dass Stromerzeuger wegen der Abgase nicht in Innenräumen betrieben werden dürfen, weil Erstickungsgefahr besteht; geeignet ist ein gut belüfteter, trockener Platz im Freien. Der Balkon eines Mehrfamilienhauses ist nach unserer Einschätzung kein solcher Platz: Die Abgase ziehen in die eigene Wohnung und in die der Nachbarn.
Nach Eichhorn, Thudium und Jüttner (Deutsches Ärzteblatt International, 2018), die Daten des Statistischen Bundesamts auswerten, starben in Deutschland im Jahr 2015 648 Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung, 0,8 je 100 000 Einwohner; 2007 waren es noch 282. Im Jahr 2016 wurden 3 611 Fälle stationär behandelt. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) schreibt am 30. Juli 2024: „In den vergangenen zehn Jahren wurden jährlich durchschnittlich knapp 3.500 Patienten mit Kohlenmonoxidvergiftungen in deutschen Krankenhäusern behandelt, von denen jede sechste tödlich endete.“ Die Zahlen umfassen alle CO-Quellen; als solche nennt der DFV am 6. Mai 2022 ausdrücklich Holzkohlegrills, Stromaggregate und Heizpilze. Neuere Zahlen für 2022 bis 2024 konnten wir nicht prüfen.
Kohlenmonoxid ist nach DFV „unsichtbar, geruchs- und geschmacklos“. Das BBK empfiehlt in seinem Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Stand 11/2025) geprüfte und zugelassene Kohlenmonoxid-Melder; der DFV fordert sie flächendeckend in Wohn- und Schlafräumen. Wer ein Aggregat besitzt, kauft den Melder zuerst.
Darf das Aggregat nachts oder am Sonntag laufen?
Hier greift die 32. BImSchV, die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. Ihr Anhang führt unter Nr. 45 „Kraftstromerzeuger“ auf; § 7 verbietet den Betrieb solcher Geräte in reinen, allgemeinen und besonderen Wohngebieten sowie in Kleinsiedlungs-, Kur- und Klinikgebieten „an Sonn- und Feiertagen ganztägig sowie an Werktagen in der Zeit von 20.00 Uhr bis 07.00 Uhr“. Die Ausnahme: Das Verbot gilt nicht, wenn der Betrieb im Einzelfall zur Abwendung einer Gefahr bei Unwetter oder Schneefall oder einer sonstigen Gefahr für Menschen oder Sachen erforderlich ist. Ein Aggregat, das im Winter bei ausgefallener Heizung nachts läuft, fällt nach unserer Lesart darunter; ein Probelauf am Sonntagnachmittag nicht.
Wie laut es sein darf, sagt die Verordnung nicht in Dezibel. Als Orientierung dienen die Immissionsrichtwerte der TA Lärm (Nr. 6.1): in allgemeinen Wohngebieten 55 dB(A) tags und 40 dB(A) nachts, in reinen Wohngebieten 50 und 35 dB(A); Nachtzeit ist 22 bis 6 Uhr (Nr. 6.4). Die TA Lärm gilt formal für Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz; ob sie auf ein privates Aggregat angewendet wird, ist nicht bestätigt. Das BBK rät in der Broschüre von 2019 schlicht zu einem leisen Modell.
Wie viel Benzin darf ich in der Garage oder im Keller lagern?
Die Muster-Garagenverordnung (M-GarVO) in der Fassung von 2008 sagt in § 18 Abs. 3: „In Mittel- und Großgaragen dürfen brennbare Stoffe außerhalb von Kraftfahrzeugen nicht aufbewahrt werden. In Kleingaragen dürfen bis zu 200 l Dieselkraftstoff und bis zu 20 l Benzin in dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern aufbewahrt werden.“ Kleingaragen sind solche bis 100 m² Nutzfläche. Mehrere Länder haben die Formulierung übernommen, etwa Bayern (§ 17 Abs. 4 GaStellV), Nordrhein-Westfalen (§ 139 Abs. 4 SBauVO) und Baden-Württemberg (§ 14 Abs. 2 GaVO); ob und in welcher Fassung sie in Ihrem Bundesland gilt, sagt dessen Verordnung — maßgeblich ist sie, nicht die Musterfassung.
Für Wohnung und Keller existiert keine bundeseinheitliche Vorschrift. Die oft zitierten Grenzen — höchstens ein Liter Benzin in der Wohnung, höchstens 20 Liter in einem bruchsicheren Kanister im Keller — sind Empfehlungen von Feuerwehren und Versicherern (Feuerwehr Herxheim; Sparkassen-Versicherung Sachsen), keine Gesetzesnorm; was zulässig ist, begrenzen Landesbauordnung, Mietvertrag und Versicherungsbedingungen. Das BBK nennt in der Broschüre von 2019 für den Keller höchstens zehn Kilogramm Benzin oder 20 Kilogramm Diesel in geeigneten Kanistern; Gas gehört danach nie in den Keller. Verschütteter Kraftstoff und heiße Bauteile sind nach BBK zudem eine Brandgefahr — betankt wird ein abgeschaltetes, abgekühltes Gerät im Freien.
Wann ist eine Powerstation die bessere Antwort?
In einer Mietwohnung fast immer. Abgase, Lärm, Kraftstoff, Anschluss — alles, was ein Aggregat problematisch macht, entfällt bei einem Batteriespeicher mit 230-V-Ausgang. Das BBK bezeichnet Batteriesysteme in der Broschüre von 2019 selbst als Alternative zum Verbrennungsmotor für die kurzzeitige Versorgung.
Die Grenze verläuft bei der Wärme. Nach BBK ziehen wärmeerzeugende Geräte wie Wasserkocher, Heizlüfter oder Kochplatten jeweils 1500 bis 2000 Watt. Diese Leistung liefert ein Aggregat stundenlang, solange Kraftstoff nachkommt; eine Powerstation mit 1 bis 2 kWh ist damit in 30 bis 60 Minuten leer (eigene Rechnung). Die Grenze ist also die Energiemenge, nicht die Wattzahl am Ausgang. Kühlschrank, Router und Licht brauchen einen Bruchteil davon.
Drei Fragen entscheiden, und für jede haben wir eine Seite:
- Wie viel Leistung braucht Ihr Haushalt, einschließlich des Anlaufstroms des Kühlschranks, der ein Mehrfaches der Nennleistung beträgt (Erfahrungswert, keine amtliche Zahl)? Der Strom-Rechner für Notstrom summiert Dauer- und Spitzenlast.
- Muss der Kühlschrank überhaupt sofort Strom bekommen? Wie lange Gefriertruhe und Kühlschrank ohne Strom kalt bleiben, hängt von Bauart und Füllgrad ab — oft ist Geschlossenlassen die richtige Antwort.
- Soll die Gastherme weiterlaufen? Sie braucht im Betrieb nach Sekundärquellen 50 bis 100 Watt, aber ihr Anschluss an einen Speicher ist wieder eine Frage für den Elektrofachbetrieb — Details in Heizung ohne Strom.
Wie lange ein Speicher eine bestimmte Last trägt, rechnet der Akku-und-Wechselrichter-Rechner aus; wie wahrscheinlich ein mehrtägiger Ausfall überhaupt ist, ordnen wir gesondert ein. Ein Aggregat bleibt sinnvoll im Einfamilienhaus mit Heizungs- oder Brunnenpumpe — mit Netzumschalter vom Fachbetrieb, Standplatz im Freien, CO-Melder im Haus und Kraftstoff nach Garagenverordnung.
Häufige Fragen
Muss ich ein Notstromaggregat anmelden?
Eine einheitliche Meldepflicht gibt es nach ADAC (Stand 3. September 2026) nicht. Wer das Aggregat fest über einen Netzumschalter anschließen lässt, sollte den Netzbetreiber vorher informieren; das BBK rät zusätzlich, den Stromlieferanten und im Mehrfamilienhaus den Eigentümer einzubeziehen. Für ein mobiles Gerät mit direkt angesteckten Verbrauchern nennt keine unserer Quellen eine Meldepflicht.
Reicht es, das Aggregat in der Garage bei offenem Tor laufen zu lassen?
Nein. Das BBK schließt den Betrieb in Innenräumen wegen der Abgase aus; ein offenes Tor macht aus einer Garage keinen belüfteten Platz im Freien. Nach DFV endet jeder sechste stationär behandelte Vergiftungsfall tödlich.
Wie viel Leistung braucht ein Notstromaggregat für ein Einfamilienhaus?
Der ADAC nennt 3 bis 8 kW für die wesentlichen Funktionen, 8 bis 20 kW mit Wärmepumpe oder E-Auto. Entscheidend ist die Spitzenlast beim Anlaufen von Kühlschrank und Pumpen, nicht die Summe der Typenschilder — der Strom-Rechner berechnet beides. Wasser und Lebensmittel für die vom BBK empfohlenen 10 Tage plant der Vorratsplaner.
Quellen
- § 13 Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) — wer hinter der Hausanschlusssicherung arbeiten darf.
- DKE, DIN VDE V 0100-551-2:2023-10 — Titel und Neuerungen der Vornorm.
- mitegro eAcademy, Ersatzstromeinspeisung nach DIN VDE V 0100-551-2 — technische Anforderungen; Sekundärquelle.
- VDN, Notstromaggregate – Richtlinie für Planung, Errichtung und Betrieb (5. Auflage, August 2004) — Zitate zu Trennung, Rückspeisung, Umschalteinrichtung.
- BBK, Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe (Stand Januar 2019) — Innenräume, Kraftstoff im Keller, Wärmegeräte 1500–2000 W, Batteriesysteme, Netzbetreiber informieren, leises Modell.
- BBK, Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Stand 11/2025) — Kohlenmonoxid-Melder.
- BBK, Stromausfall — Kohlenmonoxid-Warnmelder, Erstickungsgefahr.
- Eichhorn L., Thudium M., Jüttner B., The Diagnosis and Treatment of Carbon Monoxide Poisoning, Dtsch Ärztebl Int 2018 — 648 Todesfälle 2015, 282 im Jahr 2007, 3 611 stationäre Fälle 2016.
- Deutscher Feuerwehrverband, Fachverbände fordern verstärkte Maßnahmen zur Prävention von Kohlenmonoxidvergiftungen (30.07.2024) — knapp 3 500 Patienten jährlich, jeder sechste Fall tödlich, Forderung nach CO-Meldern.
- Deutscher Feuerwehrverband, Rechtzeitige Warnung vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen bieten nur CO-Melder (06.05.2022) — CO-Quellen, Eigenschaften des Gases.
- § 7 32. BImSchV und Anhang — Betriebszeiten, Nr. 45 Kraftstromerzeuger, Gefahrenausnahme.
- TA Lärm — Immissionsrichtwerte Nr. 6.1, Nachtzeit Nr. 6.4.
- ARGEBAU, Muster-Garagenverordnung (M-GarVO) — § 18 Abs. 3.
- Bayern, § 17 GaStellV; Nordrhein-Westfalen, § 139 SBauVO (Sekundärquelle); Baden-Württemberg, Merkblatt Lagerung in Garagen, Feuerwehr Heilbronn — Landesfassungen.
- Feuerwehr Herxheim, Brennbare Flüssigkeiten; Sparkassen-Versicherung Sachsen, Lagerung von Kraft- und Brennstoffen; Rekubik, Darf man Benzin im Keller lagern? — Empfehlungen 1 l / 20 l und ihre Herkunft; Sekundärquellen.
- ADAC, Notstromaggregat — Meldepflicht, Leistungsklassen.
- stromguide.com, Stromverbrauch Gastherme — 50–100 W im Betrieb; Sekundärquelle.
Die Gesetzes- und Verordnungstexte haben wir am 5. September 2026 auf gesetze-im-internet.de und is-argebau.de nachgelesen. Was aus Sekundärquellen stammt, ist im Text als solches gekennzeichnet; die Produkte unten haben wir nicht selbst geprüft.
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