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Handynetz und Internet bei Stromausfall: Was zuerst ausfällt, was weiter funktioniert und wie Sie Router und Handy versorgen
Bei einem Stromausfall ist das Internet zu Hause sofort weg: Router, Glasfasermodem und das Festnetztelefon am Router brauchen Strom aus der Steckdose. Das Handy funktioniert länger – aber nur, solange der Mobilfunkmast in der Nähe Strom hat. Nach dem Bericht der Expertenkommission, die der Regierende Bürgermeister von Berlin nach dem Stromausfall im Januar 2026 eingesetzt hat, reicht die Pufferbatterie der Mobilfunkstandorte heute für rund 30 Minuten. Eine feste Mindestdauer schreibt das Gesetz nicht vor.
Dieser Text trennt, was Behörden und Berichte sagen, von dem, was wir selbst rechnen. Er ersetzt nicht die Durchsagen im Radio oder die Hinweise Ihrer Gemeinde.
Funktioniert das Internet bei Stromausfall? Was zuerst ausfällt
Zu Hause nicht: Router und Glasfasermodem hängen an der Steckdose und fallen mit ihr aus. Über das Handynetz kann es noch eine Weile weitergehen, solange der Mast in der Nähe Strom hat. Die Reihenfolge ergibt sich aus den Quellen unten; wie lange die einzelnen Stufen dauern, hängt vom Ort und vom Netzbetreiber ab.
- Sofort: alles, was bei Ihnen zu Hause an der Steckdose hängt. WLAN-Router, Glasfasermodem, das schnurlose Festnetztelefon. Die Bundesnetzagentur schreibt, dass die Geräte der Kundinnen und Kunden bei einer Störung der Stromversorgung meistens unmittelbar ausfallen – mit Ausnahme der Handys, die weiterlaufen, solange ihr Akku reicht.
- Sofort oder kurz danach: das Festnetz selbst. Auch die Technik in der Nähe der Kunden, etwa am Straßenrand, ist nach Angaben der Bundesnetzagentur oft aktive Technik; bei einem Stromausfall sei deshalb auch keine Kommunikation über das Festnetz möglich. Eine Zeitangabe dazu nennt die Behörde nicht, und Angaben einzelner Anbieter dazu haben wir nicht gefunden.
- Nach Minuten bis Stunden: der Mobilfunk. Viele Masten halten mit ihrer Batterie nach dem Berliner Bericht rund 30 Minuten durch. Fest eingebauten Notstrom gibt es nach der Bundesnetzagentur nur an einem Teil der Standorte; daneben halten die Netzbetreiber mobile Technik bereit, die sie ins Krisengebiet bringen können. Gerade in den ersten Stunden eines Stromausfalls sei deshalb kein durchgängiges Netz zu erwarten.
- Solange der Akku hält: Ihr Handy. Es empfängt Anrufe, SMS und Warnungen, wenn es noch eine Funkzelle findet.
- Unabhängig vom Netz: das Batterie- oder Kurbelradio. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt es ausdrücklich, damit Sie auch bei einem langen Ausfall die Mitteilungen der Behörden hören.
Wie das im Ernstfall aussah, zeigt der Stromausfall in Berlin im Januar 2026. Die Expertenkommission hält fest, dass auch das Festnetz ausfiel, weil die Router am Strom hängen, und dass der Mobilfunk bei längeren Ausfällen großflächig zusammenbricht. Wie viele Sender damals betroffen waren, steht in unserem Text Wie wahrscheinlich ist ein Stromausfall?
Wie lange funktioniert das Handynetz bei Stromausfall?
Eine verlässliche Zahl für Ihren Mast gibt es nicht. Was sich sagen lässt:
- Rund 30 Minuten Batteriepuffer nennt der Berliner Bericht für die Mobilfunkstandorte – als Zustand, den die Kommission ändern will. Sie fordert einen verbindlichen Mindeststandard von mindestens 72 Stunden und hält dafür eine bundeseinheitliche Regelung für nötig.
- Eine gesetzliche Mindestdauer gibt es nicht. Nach dem Telekommunikationsgesetz (§§ 165 ff. TKG) müssen die Netzbetreiber „angemessene“ technische und organisatorische Vorkehrungen treffen. Die Bundesregierung schrieb im August 2026, eine bundeseinheitliche Festlegung reiner Mindestpufferzeiten für Batterien lasse sich je nach Standort nur teilweise oder gar nicht umsetzen. Die Vorgaben der Bundesnetzagentur würden derzeit überarbeitet, auch wegen Berlin; ob das Gesetz geändert wird, prüfe die Regierung.
- Standorte mit Notstrom halten länger. Welcher Mast in Ihrer Nähe dazu gehört, veröffentlichen die Netzbetreiber nach unserer Recherche nicht.
Unsere Schlussfolgerung: Planen Sie so, als sei das Handynetz nach der ersten halben Stunde weg, und freuen Sie sich über jede Stunde, die es länger hält.
Kann ich bei Stromausfall den Notruf 112 wählen?
Solange Ihr Handy eine Funkzelle findet, ja. Die Bundesnetzagentur warnt aber: Bei einem Stromausfall ist es regelmäßig nicht mehr möglich, einen Notruf abzusetzen. Festnetztelefone am Router fallen mit dem Router aus.
Informieren Sie sich deshalb vorher, wo Ihre Gemeinde im Krisenfall Anlaufstellen einrichtet – in Berlin heißen sie Katastrophenschutz-Leuchttürme. Der Berliner Bericht erwartet von den Bürgerinnen und Bürgern, diese Orte in der Nachbarschaft zu kennen.
Was funktioniert trotzdem: Warnung und Radio
- Cell Broadcast schickt Warnungen ohne App und ohne Internet an alle geeigneten Handys in einer Funkzelle – aber nur, wenn dort noch ein Mast sendet. Welche Schalter Sie am Handy setzen müssen, damit die Warnung ankommt, steht im Text Warntag: Cell Broadcast und NINA am Handy einstellen.
- NINA und andere Warn-Apps brauchen eine Internetverbindung, also mobile Daten.
- Das Radio mit Batterien oder Kurbel empfängt Rundfunk unabhängig vom Mobilfunk. Das BBK führt es in seiner Empfehlung zum Stromausfall; für uns ist es das wichtigste Gerät dieser Liste, weil es nicht vom Mobilfunk abhängt.
Router und Handy weiter betreiben: Was reicht wie lange?
Das BBK rät, die Akkus von Handy und Laptop geladen zu halten und nennt eine Powerbank oder ein Solarladegerät als Hilfe. Die Bundesnetzagentur empfiehlt Privathaushalten ebenfalls eine mobile Stromversorgung wie eine Powerbank, um die Akkus der Handys nachladen zu können.
Beim Router lohnt sich eine Rechnung, bevor Sie etwas kaufen. Wir setzen für Router und Glasfasermodem zusammen 12 Watt an – eine eigene Annahme; die Leistung Ihrer Geräte steht auf dem Netzteil. Watt mal Stunden ergibt die Energie, und davon kommt nicht alles an:
| Quelle | Router am 12-V-Ausgang | Router an der 230-V-Steckdose | Handy-Ladungen |
|---|---|---|---|
| Powerbank 20.000 mAh (74 Wh) | 4,6 h | – | 3 |
| Powerstation 256 Wh | 17 h | 4,9 h | 11 |
| Powerstation 512 Wh | 34 h | 9,8 h | 23 |
| Powerstation 1.024 Wh | 68 h (2,8 Tage) | 20 h | 47 |
So rechnen wir: Bei der Powerstation kommen nach unserer Faustregel 80 % der Kapazität beim Gerät an – dieselbe Regel wie im Akku- und Wechselrichter-Rechner. An der Steckdose kommt der Eigenverbrauch des eingeschalteten Wechselrichters dazu, laut ADAC teils schon 30 W – mehr als der Router selbst. Bei der Powerbank rechnen wir mit 75 % Wirkungsgrad wie im Powerbank-Rechner; den Router versorgt sie nur, wenn sie laut Hersteller die Spannung Ihres Router-Netzteils liefert. Mit Ihren eigenen Zahlen rechnen beide Rechner nach.
Zwei Dinge fallen auf.
Am 12-Volt-Ausgang läuft der Router mehr als dreimal so lange wie an der Steckdose. An der 230-Volt-Steckdose der Powerstation arbeitet der eingebaute Wechselrichter, und der braucht nach Messungen des ADAC teils schon 30 Watt für sich selbst – mehr als der Router. Ob Ihre Powerstation einen 12-Volt-Ausgang hat, welche Spannung Ihr Router braucht und ob der Stecker passt, steht in den Datenblättern und auf dem Netzteil. Passen sie nicht zusammen, bleibt nur die Steckdose.
Ein Router mit Strom nützt nur, wenn das Netz dahinter läuft. Liegt der Ausfall bei Ihnen im Haus, etwa nach einer ausgelösten Sicherung, bleibt der Router an der Powerstation online. Ist das ganze Viertel ohne Strom, kann auch die Technik am Straßenrand stehen bleiben – das wissen Sie vorher nicht. Unsere Reihenfolge deshalb: zuerst Powerbank und Radio, dann erst Strom für den Router.
Eine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) für den Router hat einen anderen Zweck: Sie überbrückt kurze Unterbrechungen, ohne dass der Router neu startet. Wie lange sie durchhält, steht in ihrem Datenblatt als Laufzeit bei einer bestimmten Last; für einen stundenlangen Ausfall rechnen Sie wie oben mit Watt mal Stunden.
Mit Ihren eigenen Zahlen rechnen der Powerbank-Rechner – wie oft eine Powerbank Ihr Handy wirklich lädt – und der Akku- und Wechselrichter-Rechner für Powerstation und Heimspeicher. Wer ein Balkonkraftwerk hat: Ohne Speicher schaltet es bei Stromausfall ab; was ein Speicher mit Notstromsteckdose dann noch leistet, zeigt der Text Balkonkraftwerk bei Stromausfall. Wenn Sie die Wohnung verlassen müssen, zählt nicht die Powerstation, sondern das Gewicht: Die geladene Powerbank steht auf der Notgepäck-Liste des BBK, und was diese Liste insgesamt wiegt, steht im Text Notfallrucksack: Checkliste des BBK.
Wie sich Powerstations für den Router nach Wattstunden und Preis pro Wattstunde unterscheiden, zeigt der Vergleich der Powerstations nach Wattstunden und Preis pro Wattstunde.
Handy-Akku bei Stromausfall sparen
Keine amtlichen Regeln, sondern unsere Empfehlungen:
- Bildschirm dunkler, Stromsparmodus an, Apps im Hintergrund schließen.
- Nicht in den Flugmodus, wenn Sie Warnungen erwarten: Ein Handy ohne Verbindung zum Mobilfunk empfängt auch Cell Broadcast nicht.
- Kurz telefonieren, lieber SMS schreiben und mit Angehörigen vorher vereinbaren, wer wen erreicht und wo man sich trifft, wenn das Netz weg ist.
- Die Powerbank voll halten, zum Beispiel beim Warntag im September mit nachladen.
Häufige Fragen
Warum habe ich bei Stromausfall kein Handynetz?
Weil auch der Mobilfunkmast Strom braucht. Viele Standorte überbrücken einen Ausfall nur mit einer Batterie, nach dem Berliner Bericht rund 30 Minuten; nur ein Teil hat fest eingebauten Notstrom. Ist der Mast in Ihrer Nähe aus, findet das Handy keine Funkzelle mehr, auch wenn sein Akku voll ist.
Funktioniert das Festnetz bei Stromausfall?
Meist nicht. Das Telefon hängt heute am Router, und der fällt ohne Strom sofort aus. Nach der Bundesnetzagentur ist zudem oft die Technik in Kundennähe aktiv und braucht Strom, sodass auch ein Router an der Powerstation nicht zwangsläufig eine Verbindung bekommt.
Wie lange hält eine Powerbank den Router am Laufen?
Mit unseren Annahmen einige Stunden – die genaue Zahl steht in der Tabelle oben. Voraussetzung ist, dass die Powerbank laut Hersteller die Spannung liefert, die das Netzteil Ihres Routers angibt, und dass Sie ein passendes Kabel haben.
Welches Radio hilft bei Stromausfall – Batterie- oder Kurbelradio?
Das BBK rät, „ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio“ bereitzuhalten, damit Sie bei einem langanhaltenden Stromausfall Mitteilungen der Behörden verfolgen können; in seiner Checkliste steht ein Radio mit Solarzelle, Batterie oder Kurbel. Der Grund, den auch diese Seite nennt: Ein Radio empfängt Rundfunk unabhängig von Mobilfunknetz und Router. Ob UKW oder DAB+ bei einem langen Ausfall länger sendet und wie lange eine Handkurbel ein Gerät antreibt, können wir nicht belegen – eine Angabe dazu haben wir weder bei einer Behörde noch bei einem Hersteller gelesen, deshalb machen wir dazu keine Aussage. Auch ein Modell empfehlen wir nicht, weil wir keines geprüft haben.
Quellen
- Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Resilienz in Berlin: Über die Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastruktur (2026) – Pufferbatterie der Mobilfunkstandorte rund 30 Minuten, Forderung nach mindestens 72 Stunden und bundeseinheitlicher Regelung (S. 13); Festnetz fiel aus, weil die Router am Strom hängen; Katastrophenschutz-Leuchttürme.
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7682 (20.08.2026) – Antwort der Bundesregierung zu Mindeststandards für die Mobilfunkversorgung bei lang andauernden Stromausfällen: §§ 165 ff. TKG, „angemessene“ Vorkehrungen, bundeseinheitliche Mindestpufferzeiten nur teilweise oder gar nicht umsetzbar, Überarbeitung der Vorgaben.
- Bundesnetzagentur, Strategiepapier Resilienz der Telekommunikationsnetze (Stand August 2022) – Endgeräte fallen meist unmittelbar aus, aktive Technik in Kundennähe, Notstrom nur an einem Teil der Standorte, mobile Technik, Notruf bei Stromausfall, Cell Broadcast nur mit verfügbarer Funkzelle, Powerbank für Privathaushalte.
- BBK, Stromausfall – Internet und Mobilfunk gestört, batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio, geladene Akkus, Powerbank und Solarladegerät.
- BBK, Checklisten zur Vorsorge für Krisen und Katastrophen (PDF; Stand 11/2025) – Radio mit Solarzelle, Batterie oder Kurbel.
- ADAC, Mobile Powerstations (2025) – Eigenverbrauch des eingeschalteten Wechselrichters.
Die 12 Watt für Router und Glasfasermodem, die nutzbaren 80 Prozent der Powerstation und 75 Prozent der Powerbank sind unsere eigenen Annahmen, in der Methodik beschrieben. Eine eigene Messung von Routern, Powerbanks oder Powerstations haben wir nicht durchgeführt.
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