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Wasser bei Stromausfall: Was aus der Leitung noch kommt – und wie Sie Trinkwasser für den Notvorrat lagern

Schema einer Wasserversorgung: Brunnen, Wasserwerk, Pumpwerk und Wohnhaus; das letzte Glied der Kette ist blass, weil ihm der Strom fehlt

Bei einem Stromausfall kommt oft zunächst weiter Wasser aus der Leitung – aber nicht überall und nicht beliebig lange. Wasserwerke können mit Notstromaggregaten weiterarbeiten; in Berlin reicht das nach Angaben des Senats für 36 Stunden. In höheren Häusern hängt das Wasser dagegen an elektrischen Druckerhöhungsanlagen – in Berlin bei mehr als fünf Stockwerken –, und ohne Strom kommt oben nur noch wenig an. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt ausbleibendes Leitungswasser ausdrücklich als mögliche Folge eines Stromausfalls und empfiehlt einen Vorrat von 2 Litern pro Person und Tag.

Dieser Text trennt, was Behörden und Versorger sagen, von dem, was wir selbst schätzen. Er ersetzt nicht die Durchsagen Ihres Wasserversorgers.

Fällt bei Stromausfall auch das Wasser aus?

Ob noch Wasser aus der Leitung kommt, hängt vom Versorger ab, nicht von Ihnen. Pumpen im Wasserwerk, in Pumpwerken und in Druckerhöhungsstationen brauchen Strom. Die Berliner Wasserbetriebe sichern die Trinkwasserversorgung bei einem großflächigen Stromausfall nach Angaben des Berliner Senats für 36 Stunden mit Notstromaggregaten (ZfK, 2022). Beim Stromausfall im Südwesten Berlins im Januar 2026 lief das Wasserwerk Beelitzhof am Wannsee auf Notstrom; der Sprecher der Wasserbetriebe versicherte, dass Kraftstoff für das Aggregat nachgeliefert werde (Berliner Zeitung, 05.01.2026).

Das ist ein Beispiel, keine Zusage für Ihre Stadt. Ob und wie lange Ihr Versorger Notstrom hat, steht meist auf seiner Website; sonst erfahren Sie es auf Nachfrage – eine bundesweite Zahl gibt es nicht.

Für den äußersten Fall gibt es eine Notversorgung des Bundes: Nach dem Wassersicherstellungsgesetz, geschrieben für den Verteidigungsfall, können rund 5 200 Trinkwassernotbrunnen und -quellen eingesetzt werden; vorgesehen sind 15 Liter pro Person und Tag. Grundsätzlich dürfen die Anlagen auch außerhalb des Zivilschutzfalls genutzt werden (BBK, Wassersicherstellung). Einen eigenen Vorrat ersetzt das nach unserer Einschätzung nicht: Wo der nächste Brunnen steht und wann er in Betrieb geht, entscheidet die Behörde vor Ort.

Hochhaus, Hebeanlage, eigener Brunnen: wo das Wasser zuerst ausbleibt

Auch wenn das Wasserwerk läuft, entscheidet oft das eigene Haus.

  • Obere Stockwerke. In Berlin reicht der Druck im Netz nach Angaben der Wasserbetriebe bis zur Traufhöhe von 22 Metern. Häuser mit mehr als fünf Stockwerken brauchen elektrische Druckerhöhungsstationen. Ohne Strom läuft das Wasser dort ab dem sechsten Stock nur noch spärlich, darüber tröpfelt es höchstens (Berliner Zeitung, 05.01.2026). Ob Ihr Haus eine solche Anlage hat, weiß die Hausverwaltung.
  • Hebeanlage im Keller. Liegen Toilette oder Dusche unter dem Straßenniveau, pumpt eine Hebeanlage das Abwasser nach oben in den Kanal (Verbraucherzentrale). Die Pumpe ist elektrisch; ohne Strom sind diese Anschlüsse nach unserer Einschätzung nicht mehr nutzbar – das gilt auch für kleine Hebeanlagen direkt hinter einem WC.
  • Eigener Brunnen. Eine Brunnen- oder Tiefbrunnenpumpe steht ohne Strom still. In unserem Watt-Rechner für Notstrom setzen wir für sie 1 100 W an und beim Anlaufen das Vierfache – beides eigene Annahmen, das Typenschild Ihrer Pumpe gilt vorrangig. Ein Balkonkraftwerk hilft ohne Speicher nicht: es schaltet bei Stromausfall ab.
  • Warmwasser. Durchlauferhitzer und Gastherme brauchen Strom; was die Heizung dann noch tut, steht im Text Heizen ohne Strom.

Funktioniert die Toilettenspülung bei Stromausfall?

Ja, solange Wasser aus der Leitung kommt. Der übliche Spülkasten füllt sich mit dem Druck des Netzes und hat nach unserer Kenntnis keine elektrischen Teile; Ausnahmen sind WCs mit Hebeanlage und elektronische Dusch-WCs.

Bleibt die Leitung trocken, hilft Brauchwasser: Ein Eimer Wasser, direkt in das Becken gegossen, spült ebenfalls – eine einfache Hauspraxis, keine amtliche Vorgabe. Das BBK führt in seiner Checkliste einen Wasserbehälter für Lösch- oder Brauchwasser, Müllbeutel zum Einhängen in die Toilette und eine Campingtoilette auf. Brauchwasser muss kein Trinkwasser sein; Leitungswasser in Kanistern, das zum Trinken zu alt ist, eignet sich dafür gut.

Notvorrat an Trinkwasser anlegen: Wie viel gehört in die Wohnung?

Das BBK empfiehlt 2 Liter pro Person und Tag – 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen – und einen Vorrat für zehn Tage, mindestens aber für drei. Wasser für die Hygiene beziffert das BBK nicht; Haustiere sollen Sie mitrechnen. Die Tabelle rechnet unser Planer, mit denselben Werten wie der Notvorrat-Rechner:

Wasser für den Notvorrat, nur Erwachsene. Obere Zahl: Empfehlung des BBK (2 Liter pro Person und Tag zum Trinken und Kochen). Untere Zeile: dieselbe Menge plus unsere eigene Schätzung von 3 Litern für die Hygiene – keine amtliche Zahl – und die Zahl der 10-Liter-Kanister dafür.
Personen 3 Tage5 Tage7 Tage10 Tage
1 6 l mit Hygiene 15 l · 2 Kanister 10 l mit Hygiene 25 l · 3 Kanister 14 l mit Hygiene 35 l · 4 Kanister 20 l mit Hygiene 50 l · 5 Kanister
2 12 l mit Hygiene 30 l · 3 Kanister 20 l mit Hygiene 50 l · 5 Kanister 28 l mit Hygiene 70 l · 7 Kanister 40 l mit Hygiene 100 l · 10 Kanister
3 18 l mit Hygiene 45 l · 5 Kanister 30 l mit Hygiene 75 l · 8 Kanister 42 l mit Hygiene 105 l · 11 Kanister 60 l mit Hygiene 150 l · 15 Kanister
4 24 l mit Hygiene 60 l · 6 Kanister 40 l mit Hygiene 100 l · 10 Kanister 56 l mit Hygiene 140 l · 14 Kanister 80 l mit Hygiene 200 l · 20 Kanister

Kinder, Haustiere und Ihre eigene Zahl an Tagen rechnet der Notvorrat-Rechner mit denselben Werten. Für eine Wohnung ohne Keller setzt er als praktische Grenze 60 Liter Stauraum an – eine Platzfrage und unsere Annahme, keine Norm.

Trinkwasser lagern: Kanister, Flaschen und Haltbarkeit

Eine amtliche Haltbarkeit gibt es nicht – weder das BBK noch das Trinkwasserrecht nennen eine Zahl von Tagen oder Monaten. Dauerhaft lagern sollte man Leitungswasser ohnehin nicht: Das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg rät davon ab, Leitungswasser über längere Zeit zu lagern, weil sich darin Keime entwickeln können, und empfiehlt für den Vorrat abgepacktes Trink- oder Mineralwasser aus dem Handel.

Daraus machen wir eine Regel – ausdrücklich unsere eigene, keine amtliche:

  1. Den Trinkvorrat als Flaschenwasser anlegen und nach dem aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum verbrauchen: das älteste zuerst, dann nachkaufen.
  2. Leitungswasser in Kanistern als Brauchwasser planen – für Toilette, Waschen, Putzen. Zum Trinken nur, wenn Sie es vorher abkochen.
  3. Kanister zweimal im Jahr leeren, reinigen und neu füllen, zum Beispiel zum Warntag im September und ein halbes Jahr später im März. Das Datum der Füllung schreiben Sie auf den Kanister.
  4. Richtig abfüllen: nur Behälter, die für Lebensmittel gedacht sind – zu erkennen am Glas-und-Gabel-Symbol nach der EU-Verordnung über Lebensmittelkontaktmaterialien –, randvoll, fest verschlossen, kühl und dunkel gelagert.

Wie viele Kanister realistisch Platz finden, ist eine Frage der Wohnung. In der Methodik steht, mit welchen Grenzen der Planer rechnet und warum ab dort ein Wasserfilter sinnvoller ist als der nächste Kanister.

Mineralwasser für den Vorrat: mit oder ohne Kohlensäure?

Beides geht. Ungeöffnet sowie kühl und dunkel gelagert ist Mineralwasser nach Angaben des Ministeriums in Stuttgart viele Jahre haltbar; in Glasflaschen bleibt es mehrere Jahre gut, aus PET-Flaschen kann mit der Zeit die Kohlensäure entweichen. Einen gesundheitlichen Grund, das eine dem anderen vorzuziehen, nennt keine der von uns gelesenen Behörden. Unsere Empfehlung: Kaufen Sie, was Sie auch sonst trinken – so wird der Vorrat im Alltag verbraucht und ersetzt, statt im Keller zu altern. Geöffnete Flaschen gehören verschlossen in den Kühlschrank und bald getrunken.

Braucht man einen Wasserfilter – oder reicht Abkochen?

Wer einen Vorrat an Flaschenwasser hat, braucht zum Trinken zunächst keinen Filter: Dieses Wasser ist trinkfertig. Sinnvoll wird ein Filter nach unserer Einschätzung dort, wo der Vorrat endet – bei Wasser aus Bach, Regentonne oder Zisterne – und dort, wo für den nächsten Kanister kein Platz mehr ist. Wo diese Grenze im Rechner liegt, steht in der Methodik.

Wasser aufbereiten heißt dann: abkochen, filtern oder beides. Was diese Wege jeweils leisten, unterscheidet sich allerdings deutlich:

Abkochen ist der Weg, den auch Gesundheitsämter bei einem Abkochgebot vorgeben: das Wasser richtig aufkochen und vor der Verwendung etwa 10 Minuten abkühlen lassen (Kreis Lippe, Gesundheitsamt). Ohne Strom brauchen Sie dafür einen Gasherd oder einen Campingkocher – Letzteren laut BBK nur im Freien. Unser Planer rechnet mit 1 Liter Abkochwasser pro Person und Tag und mit rund 16 Litern je Gaskartusche; die Kartuschen zählt er mit, wenn Sie angeben, ohne Gasherd zu kochen. Wie viel Gas ein warmes Essen zusätzlich braucht und wo der Kocher stehen darf, steht unter Wasser abkochen ohne Strom: Kocher und Kartuschen.

Ein Outdoor-Wasserfilter wie LifeStraw Personal oder Sawyer Squeeze hält nach Herstellerangaben Bakterien, Parasiten wie Giardia und Cryptosporidium sowie Mikroplastik zurück. Viren nennen beide Hersteller nicht; für Chemikalien und Schwermetalle ist der LifeStraw Personal laut Hersteller nicht gedacht. Ein solcher Filter ist für Wasser aus Bach oder Regentonne gedacht; den Vorrat ersetzt er nach unserer Einschätzung nicht und im Zweifel auch nicht das Abkochen. Für das Notgepäck gilt das Gegenteil: Dort wiegt ein Liter Wasser 1 000 Gramm und ein Trinkfilter aus unserem Katalog nach Herstellerangabe 46 Gramm. Was die Notgepäck-Liste des BBK insgesamt wiegt, haben wir selbst gewogen und geschätzt; die Summe steht im Notfallrucksack: Checkliste des BBK.

Ein Tischwasserfilter mit Aktivkohle entkeimt nicht. Der VerbraucherService Bayern weist darauf hin, dass Aktivkohle und Ionenaustauscher Bakterien einen guten Nährboden bieten und sich Keime in warmem, stehendem Wasser stark vermehren. Für den Notfall ist er deshalb die falsche Wahl. „Wasserfilter“ heißen im Handel auch Kannen- und Schwerkraftfilter; ob ein Gerät Bakterien zurückhält, steht nur in den Angaben des Herstellers – fehlt dort eine Zahl zu Bakterien, gehen wir davon aus, dass es nicht dafür gebaut ist (eigene Regel).

Ein Vorrat, der doppelt nützt: Die US-Lebensmittelbehörde FDA rät, vorab Behälter mit Wasser einzufrieren. Die Behälter füllen leere Fächer der Gefriertruhe, die dann länger kalt bleibt, und das Schmelzwasser dient als Trinkwasser, falls die Versorgung ausfällt. Wie lange Ihre Truhe durchhält, rechnet der Gefriertruhen-Rechner; was Sie außer Wasser für zehn Tage brauchen, der Notvorrat-Rechner.

Häufige Fragen

Wo lagert der Wasservorrat – Keller, Abstellraum oder Balkon?

Kühl und dunkel – genau diese beiden Bedingungen nennt das Ministerium in Stuttgart für Mineralwasser. Geeignet sind also der Keller, eine Abstellkammer oder ein Schrank an der kühlsten Wand der Wohnung. Der Balkon ist nach unserer Einschätzung der schlechteste Platz – dort steht das Wasser im Sommer in der Sonne, und im Winter friert es: Gefrierendes Wasser dehnt sich aus und sprengt randvolle Flaschen und Kanister. Rechnen Sie außerdem mit dem Gewicht, denn ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm – ein voller Kanister wiegt also so viele Kilogramm, wie er Liter fasst, und gehört auf den Boden oder in ein tragfähiges Regal. Kanister aus dem Campingbedarf eignen sich, wenn sie für Lebensmittel geeignet sind; das Glas-und-Gabel-Symbol steht nicht auf jedem Behälter.

Ist ein Wasserfilter Pflicht – und lohnt er sich für den Notvorrat?

Pflicht ist er nicht. Die Angaben des BBK sind Empfehlungen für den eigenen Haushalt und keine Vorschrift, und in der Notgepäck-Liste des BBK steht kein Wasserfilter – dort ist er unsere Ergänzung, siehe Notfallrucksack: Checkliste des BBK. Ob er sich lohnt, hängt nach unserer Einschätzung von zwei Fragen ab: Passt der Vorrat, den Sie brauchen, überhaupt in Ihre Wohnung? Und gibt es in der Nähe eine Wasserstelle, aus der Sie im Notfall schöpfen könnten? Passt der Vorrat, ist Flaschenwasser die einfachere Antwort. Passt er nicht – mit welchen Platzgrenzen unser Planer rechnet, steht in der Methodik –, ist ein Filter sinnvoller als der nächste Kanister. Das Abkochen ersetzt er dabei nicht, und ein Tischfilter mit Aktivkohle ersetzt gar nichts: Beides steht oben im Abschnitt zum Aufbereiten.

Kann ich bei Stromausfall duschen?

Solange Wasser kommt, ja – aber meist kalt: Durchlauferhitzer und Gastherme arbeiten ohne Strom nicht. In oberen Stockwerken kann schon der Druck fehlen.

Darf ich Regenwasser trinken?

Nur aufbereitet. Regenwasser aus Tonne oder Zisterne ist kein Trinkwasser; als Brauchwasser für die Toilette eignet es sich ohne Weiteres (eigene Einschätzung). Zum Trinken: abkochen, trübes Wasser vorher filtern.

Soll ich bei Stromausfall die Badewanne volllaufen lassen?

Wenn das Wasser noch läuft und Sie mit einem langen Ausfall rechnen, ist eine volle Wanne ein Vorrat an Brauchwasser für Toilette und Waschen – unsere Empfehlung, keine amtliche. Zum Trinken ist das Wasser aus der Wanne nicht gedacht.

Quellen

Die Broschüren des BBK haben wir gelesen und geben sie mit eigenen Worten wieder; ihr Wortlaut ist nicht für die kommerzielle Nutzung freigegeben. Alle Literzahlen der Tabelle rechnet unser Planer aus der BBK-Empfehlung und – als eigene Schätzung gekennzeichnet – 3 Litern für die Hygiene. Eine eigene Messung oder Prüfung von Wasser, Kanistern oder Filtern haben wir nicht durchgeführt.

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